Bodenarbeit: Horsemanship und Pferdekommunikation

Am Boden lernt dich dein Pferd auf Augenhöhe kennen.

Und du lernst dein Pferd kennen - bevor du ihm fast buchstäblich im Nacken sitzt und ihm beim Reiten deine Gesundheit anvertraust.

 

Bereits wenn du die Herde betrittst beobachtet dein Pferd, wer du bist. Verhältst du dich sicher und souverän? Weißt du, wie Pferde die Rangordnung untereinander festlegen? Drückst du dich klar und verständlich in seiner Sprache aus?

 

Bei den ersten Tätigkeiten wie Halftern, Putzen, Führen wird der Grundstein für eure Beziehung gelegt. Ganz automatisch, egal ob du das möchtest oder nicht. Diese Basics zählen - aus Pferdesicht. Dabei geht es vor allem um folgende vier Bereiche:

Vertrauen gewinnen

Pferde sind Fluchttiere und es ist nicht so selbstverständlich, dass sie uns vertrauen. Schließlich sind wir Fleischfresser (selbst die Veganer könnten...) und Pferde geborene Skeptiker (lieber einmal mehr vorsichtig als einmal zuviel auf einem Grillspieß gelandet...!).

Wir müssen den Pferden deshalb systematisch durch Übungen und bestimmtes Verhalten am Boden

  • Unsicherheiten uns gegenüber nehmen
  • Angst vor Gegenständen nehmen, z.B. Planen, Regenschrimen, Sätteln... Es gibt eine ganze Reihe von Gegenständen, die nicht so ganz natürlich für Pferde sind und an die man sie erst gewöhnen muss.

Lerne das Geheimnis der Kleinigkeiten kennen: 12 Bodenarbeits - Basis - Übungen sorgen für eine solide Grundausbildung.

Darauf kannst du aufbauen wenn du möchtest, mit Liberty, Zirkuslektionen, gymnstizierender Bodenarbeit und vielem mehr.

Kommunikation durch natürliche Körpersprache

Pferde kommunizieren nicht durch Worte, sondern durch Positionen, ihre Mimik und vor allem: durch ihre Körper-Energie.

Wir können diese Art der Sprache problemlos lernen (eigentlich müssen wir uns nur erinnern, denn auch für uns ist diese Art der Kommunikation natürlich. Nur ist die oft verschüttet unter tausend Worten...)

 

5 Basis Vokabeln geben dir einen perfekten ersten Start, dich mit Pferden in ihrer Sprache zu verständigen. 

Leitpferd werden

Viele Menschen wünschen sich eigentlich nur eine Freundschaft und Harmonie mit ihrem Pferd. Ein sehr verständlicher Wunsch. Doch bald stellen diese Menschen fest, dass der Umgang auf dieser Ebene nicht sehr viel Sicherheit für sie selbst bietet. Die Pferde vertrauen ihren Entscheidungen nicht und gehen eigene Wege. Spätestens an der nächsten Strasse ist das sehr gefährlich. Und oft fühlt es sich auch vorher schon unterschwellig reichlich ungut an. 

Uns muss klar sein: neben aller Freunschaft wünschen sich die Pferde  vor allem Sicherheit als obereste Priorität. Nur wenn wir ihnen diese bieten können, können sie sich entspannen und unsere Unternehmungen bleiben sicher.

 

Dabei geht es nicht darum, dass die Pferde kommentarlos alles machen müssen was wir wollen. Viele Reiter schüchtern ihre Pferde einfach nur ein, weil sie kein anderes Konzept kennen, um die Führung zu übernehmen. Das fühlt sich weder für die Reiter noch die Pferde gut an, und echte Freundschaft entsteht nicht. Höchstens eine Freundschaft zu den als Kompensation angebotenen Leckerlis...

 

Eine natürliche, ehrliche und freundliche Leitpferdeposition kann nicht durch einen einfachen Trick eingenommen werden. Vielmehr ist es ein dreistufiger Prozess:

  • sich selbst behaupten können, wissen wann Grenzen klar, fair und freundlich gesetzt werden müssen und wie man die Freundschaft zum Pferd dabei nicht beschädigt
  • Respekts-Übungen die auch Pferde untereinander abfragen (ohne Tyrannei und Gescheuche, aber je nach Charakter mit dem nötigen Nachdruck um ernst genommen zu werden)
  • Leitpferd sein auf einem höheren Level: wenn du beginnst dem Pferd und der Herde zu dienen eröffnet sich die wahre Leitpferdeposition

Vermeide vor allem einen Fehler, den fast alle Reiter unbewusst machen. Dann machst du es bereits besser als 90 % aller Reiter! Und übernimm dann fair, freundlich, und zum Wohle beider Schritt für Schritt die Leitpferdeposition.

Motivation

Wir alle wünschen uns Pferde, die gerne mit uns zusammen sind und die gerne mit uns mitmachen.

Den Menschen fällt als Motivation üblicherweise nur Leckerlis / Futter ein. Das ist seeeehr menschlich - und trifft für Pferde leider nicht den Kern der Sache. Zwar lieben Pferde Leckerlis, da sie in ihrer Welt als Grasfresser aber gewöhnt sind, dauernd Futter zu haben, hat Futter nicht den gleichen Stellenwert wie bei uns Menschen. Wir Menschen müssen noch heute unser Futter erjagen (z.B. im Supermarkt, der Öffnungszeiten hat etc.). Wir essen nur 2-4x / Tag, und meist nur 15 Minuten. Pferde fressen natürlicherweise den ganzen Tag so vor sich hin, laufen von Grashalm zu Grashalm und müssen einfach nur abbeissen. Sie müssen nichts sammeln, nichts erjagen, nicht einkaufen...

Eine Beziehung die mit Pferden auf Futter aufgebaut ist, ist nie stabil. Das Pferd entwickelt mehr Freundschaft mit deiner Leckerli Tasche als mit dir.

Aber es gibt andere Motivationen, die Pferde deine Nähe suchen lassen... Und gottseidank sind sie auch uns Menschen nicht ganz fremd.

Lerne die 4 Motivationen der Pferde kennen. Dein Pferd wird eine tiefe Bindung zu dir aufbauen, echte Freundschaft entsteht.

Was bedeutet Horsemanship und Pferdekommunikation?

Horse-Man-Ship bedeutet: Pferd und Mensch in einem Boot ("Ship"). Dieses Bild gefällt mir sehr gut. Wer in einem Boot sitzt, muss zusammenarbeiten, zusammen finden um zu überleben. Nur wenn der Mensch einen großen Schritt auf das Pferd zu geht, und seine Sprache lernt, wird die Zeit die wir mit unserem Pferd verbringen, glücklich. Nur wenn sich das Pferd an ein paar menschliche Dinge wie Verkehr, Kinderwägen... gewöhnt, bleibt unsere Reise für alle Beteiligten sicher.

 

Pferdekommunikation bedeutet: es ist wichtig das Pferd zu verstehen - und von ihm verstanden zu werden. Das ist die Grundlage ohne die es nie zu wirklich guten und glücklich machenden Ergebnissen kommt.

Short-cuts, Tricks gibt es nicht. Ich kann mein Pferd nicht einfach nur dressieren auf "bleib stehen" und "geh vorwärts". Ich kann es nicht programmieren und meist nicht mal genug einschüchtern, dass diese Dinge zuverlässig abrufbar wären. Ich weiß, dass sich manche Menschen das wünschen oder sogar erwarten. Jedoch funktioniert es in der Praxis immer ungenügend. Die Ergebnisse sind nicht zuverlässig. Die Zahl der Befehle die Pferde auswendig lernen können ist zu klein. Ein 600kg schweres Fluchttier das gewohnt ist, auschließlich Kompetenzen und seiner eigenen Fluchttier-Vernuft zu folgen, lässt sich auch nur begrenzt einschüchtern. Und selbst wenn... spüren das die Menschen meist unbewußt und sind einfach nicht glücklich damit! Und wofür machen wir das Ganze mit den Pferden dann??

Sorge dafür, dass deine Basics am Boden wirklich tragfähig sind und begib dich auf den Weg ins Herzen der Pferde!

DAS BESTE IST: DU KANNST ES LERNEN!