Der Holunderranch Blog
Pferde lesen können – Februar 2023
Pferde haben die selbe Mimik wie wir – und sie drücken dadurch aus wie sie sich fühlen. Diese tolle Fotozusammenstellung hat Franzi gemacht und mir geschrieben: „Ich habe heute mal Gini´s Gesichtszüge bei der Desensibilisierung fotografiert. Total spannend wie es sich verändert, obwohl sie sich kaum bewegt hat.“ Achtet auch mal auf die Nüstern!
Der „Spaziergeh-Kurs“ beginnt zu reiten – Sommer 2021
Langsam aber sicher beginnt der Geländekurs nicht nur zu Fuß im Gelände unterwegs zu sein, sondern auch reitend auf dem Pferd. Auf dem Playground klappt das schon sehr gut. Schritt für Schritt wachsen Pferde und Menschen zusammen.
Geländereiten wird oft unterschätzt. Viele kennen das aus dem Urlaub: der Guide reitet vorne, und die Anfänger reiten hinterher. Geht doch! Dabei wird oft übersehen, dass das ganze Unterfangen an viele Bedingungen geknüpft ist, die außerhalb von solchen Betrieben oft nicht vorliegen. Oft werden nur sehr spezielle Pferde ausgewählt, die meist wirklich viel „Job“ machen, so dass sie ausgelastet sind. Die Strecken sind den Pferden gut bekannt – und nicht selten gibt es wenig oder gar keinen Verkehr. Klar fällt auch mal wer runter… das wird nicht so ernst genommen. Es ist nicht so schlimm wenn derjenige nicht wiederkommt – denn kein Schüler bleibt lange. Schließlich reitet er ja nur mal so aus. Und dass die Schüler fast alle dauernd irgendwie am Zügel ziehen bleibt umkommentiert. Schließlich sollen die Pferde ja auch nicht wirklich fein reagieren, sie sollen einfach nur hinterher laufen und sich von den Menschen möglichst viel gefallen lassen. Diese Pferde werden vom Betrieb her beim Kauf schon selektiert auf Gutmütigkeit und Wurschtigkeit. Auch verkaufen solche Betriebe die Pferde meist regelmäßig, weil die Pferde und ihre Geduld nach der Saison verbrannt sind. Ich kenne ziemlich viele Betriebe die ihre Pferde höchstens eine Saison laufen lassen.
Hat der Reiter dann ein eigenes Pferd, ist er meist sehr überrascht, wie anspruchsvoll das Geländereiten doch ist. Spätestens wenn die Herde nicht mehr mitgeht, und das Pferd „mitzieht“, zeigt sich, wie gut die Bindung zwischen Pferd und Mensch wirklich ist…
Wir an der Holunderranch haben kein „gutes“ Gelände. Zumindest kein einfaches. Zwar kann man in sehr schönes Gelände vordringen – dazwischen liegen aber wirklich richtig viele Herausforderungen. Straßen, Kinder, Hunde, Kühe, Rasensprenger, Hühner, Modellflugplatz, Fußballspieler…. Puchheim ist Stadt!
Umso wichtiger ist es, dass die Pferde auf ihre Menschen hören – ihnen vertrauen und ihre Entscheidungen respektieren. Im Geländekurs erarbeiten wir uns das Schritt für Schritt – so wie man es mit jedem eigenen Pferd auch tun würde. Ein ausgesprochen lehrreicher Kurs, bei dem alles was wir so an Übungen in der Bodenarbeit machen, plötzlich wahnsinnig praxisrelevant und bedeutungsvoll wird.
Jetzt sind wir ca. das 15. Mal unterwegs, und man merkt mehr und mehr, wie echte Gelassenheit und Sicherheit entsteht. Das ist richtig toll und ich freue mich sehr, dass ihr 4 diesen Kurs mit mir macht!
Das schaut jetzt aber nicht sooo schön aus hier!
Da braut sich was zusammen! nichts wie weg hier :-). Obwohl ich sagen muss: die Hütten des Naturlaufstalles (und davon ist die Holunderranch ja ein Teil) sind sehr stabil gebaut, und es haben seit es sie gibt (ca. 1990?) alle immer überlebt die bei Unwetter am Stall waren :-). Aber GEMÜTLICH ist es nicht!
…Aber ein bißchen faszinierend ist es schon 🙂 )
Der Traum vom Ritt in den Sonnenuntergang…
…kann auf der Holunderranch schneller wahr werden als so mancher denken mag :-). Auf dem Pferd (Fee) sitzt eine Schülerin – die sich so gut fühlt dass sie sich auf dem Playground von Pferd aus fotografieren traut. So ein tolles Foto!! Ich bin begeistert!
Komm, Ronya, wir setzen uns auf die Bank und machen Mittagspause… – 22.02.2020
… Sprach ich, setzte mich auf die Bank – und bekam Gesellschaft. Ronya, du bist sooo süß! (Und keine Sorge, der Baumstamm hält das aus!)
Weil es nicht egal ist, wie du zu deinem Ergebnis kommst… – 05.06.2019
Heute möchte ich euch von einer Situation aus meinem Unterricht erzählen, die mich sehr berührt hat.
Vor einigen Monaten hat eine langjährige Schülerin zwei Fohlen gekauft, die aus einer Wildpferdeherde stammen. Beide ließen sich nicht anfassen. Also bin ich hingefahren, und habe mit den Fohlen gearbeitet. Das erste Fohlen war schnell zu überzeugen, und nach ca. 2h hatten wir ein paar Lieblingskraulstellen gefunden und halftern geübt.
Das zweite Fohlen jedoch versteckte sich immer hinter dem anderen und wollte keinen Kontakt. Es hatte wohl in der Einfangstation eine Augenverletzung gehabt. Die ist zwar ausgeheilt, aber die Erfahrungen waren für das Fohlen wohl aus seiner Sicht sehr unerfreulich. Also haben wir das Thema zurückgestellt. Dann ging es eine Weile hin und her, mit Auf- und Abs, aber das Problem, dass sich das Pferd nicht anfassen ließ, blieb. Ich kam ein zweites Mal, verbrachte 7 Stunden mit dem Pferd, mit dem Ergebnis dass es sich gerade mal so an der Stirn berühren ließ, wenn ich gaaaanz ruhig war. Ich war nicht begeistert.
Die Besitzerin und ich besprachen weitere Möglichkeiten. Denn irgendwann müsste das Fohlen mal zum Hufpfleger…. Natürlich gibt es Möglichkeiten, eine Ponyfohlen zum Kontakt zu zwingen. Auch wenn manche Trainer es „Überreden“ nennen würden… Obwohl ich viel aus diesem Bereich kenne, konnte ich nicht dazu raten. Andererseites, manchmal ist sowas sicher auch unumgänglich.
Nun, diese Besitzerin hat die Geduld und den langen Atem aufgebracht, keine Zwangsmaßnahme durchzuführen. Nach ein paar Wochen fuhr ich zum dritten Mal hin. Die Besitzerin hatte mir gesagt: „es hat sich ein bisschen was getan, aber erwarte nicht zu viel, es ist fast nichts.“ Als ich ankam erzählte sie mir, dass sie ihn am Vortag das erste Mal am Hals kraulen hatte dürfen. Also bat ich sie, mir das zu zeigen.
Sie begann also, ihre Herde in den anderen Stall zu schicken, so dass das Ponyfohlen und sie alleine im Paddock blieben. Und schon da sah ich den Zauber. Das Fohlen freute sich auf diese Zeit. Es hob den Kopf und sah so wunderschön aus – soetwas habe ich so noch nie gesehen. Es war stolz. Es war „ganz“. Es hatte so eine edle Ausstrahlung, faszinierend.
Dann begann meine Schülerin, es am Hals zu kraulen. Das Fohlen war anfangs noch sehr misstrauisch, aber schon nach kurzer Zeit wurde es sicherer und sicherer. Ein bisschen Futter hat auch geholfen. Die ganze Zeit war zwischen Pferd und Mensch dieser Zauber zu sehen. Dieses Fohlen sieht „seinen Menschen“ als Freundin, das war die ganze Zeit unübersehrbar.
Es ist NICHT egal, wie man ein Ergebnis erreicht. Es steckt immer auch ein Erlebnis hinter jedem Ergebnis (und was sich reimt, das ist gut, jawohll 🙂 ).
Dieses Erlebnis formt die Beziehung. Hier wird Vertrauen gewonnen, Freundschaft geschlossen, auch Führung übernommen, Akzeptanz entwickelt. Das Ergebnis ist in Wahrheit nicht viel wert. Die Beziehung ist das, was Pferd und Mensch lächeln lässt.